Reisebericht


Skifahren auf Island – Skifahren am Polarkreis


Veröffentlicht am 30.08.2013 von Dagmar Kluthe in der Kategorie Europa.
Schlagworte: Nachts, Polarkreis, Schnee, Skifahren, Unberührte Landschaft, Vulkan.


Island - der Norden - Lavalandschaft

Die Isländer in Partystimmung zu erleben, sollte man sich nicht entgehen lassen. Die „happy hour“ in Reykjavik beginnt bereits um fünf Uhr und mit dem Mittagsflug aus Deutschland erreicht man gerade rechtzeitig die Bar. Besonders an Samstagen ist um diese Zeit schon der Teufel los und das ist auch kein Wunder, denn im Winter ist es am späten Nachmittag schon wieder dunkel. Hinzu kommt die allgegenwärtige nasskalte Witterung durch den nahen Atlantik und so streben alle zu einem gemütlicheren Ort.

Im letzten Jahr eröffnet, gehört die Lounge des Hotels Marina zu den aktuellen Treffpunkten in der isländischen Hauptstadt. Eigentlich gleicht sie mehr einem Wohnzimmer mit Alkoholausschank, denn eingerahmt von Bücherregalen, locken kuschelige Sitzecken und unkonventionelle Holzschemel zum Verweilen. Besonders begehrt sind die Plätze an den offenen Kaminen, man schaut ins das lodernde Feuer und genießt die höchst gemütliche Atmosphäre. Der Mittelpunkt für neue Bekanntschaften sind die beiden Bars mitten in der Lounge, die den ganzen Abend von durstigen Kehlen belagert werden. Die Isländer feiern gerne und sind sehr kontaktfreudig, rasch entwickeln sich auch Gespräche zu den Fremden, wird an den Tischen über Gott und die Welt geredet. Erstaunlich viel Sitzfleisch haben die Menschen von der Insel und so mancher kann Abend kann schon mal bis in die frühen Morgenstunden dauern.

Da wird der Flug nach Akureyri am frühen Morgen schon zu einer Herausforderung. In knapp vierzig Minuten ist die größte Stadt im Norden erreicht, die schon sehr nahe am Polarkreis liegt. Es ist gegen zehn Uhr und noch immer ist es erschreckend dunkel, einzig die schneebedeckte Landschaft bietet eine dunstige Helligkeit. Doch niemand muss man im Finsteren herumtappen, denn Island kann höchst verschwenderisch mit Beleuchtung umgehen. Schier unbegrenzt ist die Energie, die aus den heißen Quellen gewonnen wird und „wir können jeden Feldweg mit Laternen ausstatten,“ erzählt Siggi, der seit vielen Jahren im Norden zu Hause ist. Es ist jedoch kein Lichtermeer zu erwarten, denn außerhalb von Akureyri mit seinen16 000 Einwohnern gibt es nur mehr vereinzelte Bauernhöfe.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt Akkureyri liegt das renommierteste Skigebiet Islands, die Pisten von Hliddarfiall reichen bis auf 980 m Höhe. Schon im November gibt es heftige Winterstürme mit ergiebigen Schneefällen. „Oftmals müssen wir dann unsere Schafe unter den Schneewehen ausgraben,“ neben seiner Arbeit als Fremdenführer betreut Siggi auch die Herde der Familie. Hliddarfjall ist ein gepflegtes Skigebiet, das von einem Sessellift in zwei Hälften geteilt wird. Das gesamte Areal wird mit Flutlicht ausgeleuchtet, denn in den Wintermonaten erscheint die Sonne gegen 13 Uhr und ist spätestens um 16.30 Uhr wieder verschwunden. An der Talstation gibt es die Liftkarten, dazu kann man sich die Skier und Schuhe ausleihen, es sind aktuelle Modelle. Hinein in den Sessellift, der an einer Mittelsstation endet. Von dort aus führen Schlepplifte in das weitläufige Terrain und für den ambitionierten Skifahrer gibt es etliche ungespurte Hänge, die im weiten Bogen ins Tal zurückführen. Dieser Dezembertag überraschte mit einer feinen Pulverschneeauflage, durch die unmittelbare Nähe des Atlantiks hätte man viel eher einen nasseren Schnee vermutet. Zwei Stunden herrlichen Skispass, noch eine Einkehr ins Restaurant Stryta an der Mittelstation und dann wartet ein Ausflug in die Winterlandschaft von Islands Norden.

Island - der Norden - Godafoss (1)

Rund 50 km östlich von Akureyri liegt einer der spektakulären Wasserfälle Islands, es ist der Godafoss oder Götterfall, hier stürzen die Wassermassen des Skálfandafljót-Flusses in breiter Front in die Tiefe. Die nächste Attraktion ist die Region des Myvatn. Das bedeutet Mückensee, denn der viertgrößte Binnensee Islands bietet wegen seiner geringen Tiefe von 2,5 m ein wahres Mekka für herumschwirrende Plagegeister.

Island - Landschaft am Mueckensee mit Vulkan Hverfjall

Aber im Winter herrscht hier eine unendliche Ruhe, als große weiße Tupfen liegen die zahlreichen Inseln in dem dunklen Wasser des Sees, der meist nicht zufriert. Im Sommer ist es ein Paradies für Vögel, aber ist nun nichts zu hören, nicht einmal das Geräusch von glucksendem Wasser lässt sich vernehmen. Ein ganz anderes Gesicht zeigt Island nur etliche Minuten entfernt, am Pass Námaskard. Beinahe drohend blubbern die Schlammquellen und in zischenden Dampfwolken tritt die Hitze aus der Erde. In kleinen Bächen durchzieht das heiße Wasser diese wundersame Landschaft, die mit ihrer Unwirtlichkeit abschreckt und neugierig macht.

Island - der Norden - Naturbad Myvatn

Doch dieser Überfluss an Energie beschert die heißen Bäder, die von den Einheimischen mehrmals in der Woche besucht werden. Auch am Myvatn wurde im Jahr 2004 eine Badeanstalt bei der Ortschaft Skútustaoir eingerichtet. Welch eine Wonne, in dem 38 Grad heißen, mineralreichen Wasser zu plantschen. Jetzt fehlt nur noch das Himmelsschauspiel einer Aurora Borealis, aber durch die ielen Wolken haben die Nordlichter keine Chance.

Island - der Norden - Hverir

Am nächsten Spätvormittag geht es ins Skigebiet von Dalvik, das 50 km nördlich von Akureyri liegt. Mal wieder begeistert die Einsamkeit dieser Landschaft am Polarkreis, nur schemenhaft tauchen die Umrisse von Islandpferden auf, die auf den Weiden dösen. Am westlichen Ufer des Eyjafjördur liegt das Fischerdorf Dalvik mit seinen knapp 1.400 Einwohnern. Im Sommer kommen die Leute zum Wandern und Reiten, doch mittlerweile hat sich in der schneesicheren Region Tröllaskagi ein wachsender Wintertourismus entwickelt. Hinter dem Dorf ziehen sich die Pisten nach oben bis auf eine Höhe von 320m Höhe. Die 5 km langen Abfahrten sind problemlos zu bewältigen, aber alleine der Blick auf den Fjord mit seiner Insel Hrisey lohnt diesen Ausflug. Ein wahres Schmankerl ist dann noch der Besuch der Mikrobrauerei Bruggsmidjan in dem nahen Dorf Arskogssandur. Dort wird seit 2005 das beste Bier Islands gebraut und die Nachfrage nach „kaldi“ ist so hoch, dass selbst der einheimische Bedarf kaum gedeckt werden kann. An Export ist überhaupt nicht zu denken. Also beim nächsten Besuch einer Bar in Island sollte man kaldi bestellen!

Island - der Norden - Friedhof bei Dalvik

Dagmar Kluthe

© Fotos: Dagmar Kluthe

 

  1. Anreise
  2. Im Winter fliegt Icelandair von Frankfurt und München (2x pro Woche) nach Reykjavik.
  3. Unterkunft
  4. Hotel Reykjavik Marina. Das Hotel liegt direkt am Hafen unweit des Zentrums, hat eine schöne Lounge mit Bar und originell eingerichtete kleine Zimmer. www.islandairhotels.com/hotels/reykjavikmarina
  5. Essen
  6. Reykjavik
  7. Grillrestaurant Sjavargrillid. Bekannt für seine Fischgerichte ist Sjavargrillid, dabei kombiniert Axel Gunnlaugsson isländischen Fisch mit exotichen Gewürzen. www.sjavargrillid.is/en/welcome
  8. Akureyri
  9. Rub 32. Schon die dunkelrote Fassade des weitläufigen Gebäudes fällt ins Auge. Hier werden die isländischen Fische als Sushi serviert oder mit asiatischer Fusionküche zu einem Geschmackserlebnis verwandelt. www.rub23.is/en
  10. Ski fahren
  11. An allen Skigebieten kann man sich die Ausrüstung ausleihen. Die Tageskarte in Hliddarfiall bei Akureyri kostet 18 €, bei Dalvik sind es 11 €. Die Lifte sind meist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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